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Dreidimensionales Storytelling

Um Professionelles Storytelling zu betreiben, muss man drei Denkmodi beherrschen und in der Lage sein, ständig zwischen ihnen hin- und herzuwechseln: philosophisches Denken, um Themen zu ergründen und Bedeutungen zu erfassen; psychologisches Denken, um Ziele und Motivationen nachzuvollziehen; logisches Denken, um Kausalchronologien von Prozessen und Konflikten zu verstehen.

Professionelles Storytelling ist entsprechend dreidimensional. Es besteht aus

  • einer thema- und werteorientierten Dimension
  • einer konfliktbasierten Dimension und
  • einer protagonistenzentrierten Dimension

Inhalte und Storys sind umso besser, je besser sie diese drei Dimensionen und ihre wechselseitige Beeinflussung und Abhängigkeit abbilden. Professionelles Storytelling ist daher das konstruktive und lösungsorientierte Zusammenspiel dieser drei Dimensionen.

Thema- und werteorientierte Dimension

Im Zentrum des Professionellen Storytellings steht die thema- und werteorientierte Dimension. In ihr werden

  • die Themen entwickelt, die Inhalten zugrunde liegen
  • die universellen Werte definiert – Freiheit, Sicherheit, Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Anerkennung, Gesundheit etc. –, die die Themen ansprechen
  • die Fragen formuliert, die sich hinsichtlich der Themen und der Werte stellen
  • die möglichen Aussagen festgelegt, die die Inhalte treffen können, und
  • die Wirkungen reflektiert, die die Inhalte bei den Menschen erzielen.

Als »thema- und werteorientiert« wird sie bezeichnet, weil sie bei der Entwicklung von Inhalten Orientierung gibt. Ihre Werkzeuge zählen zu den wichtigsten Relevanzkriterien und bilden den fruchtbaren Boden für die Entwicklung von Inhalten.

Die konfliktbasierte und die protagonistenzentrierte Dimension beziehen sich auf sie. Ihre Funktion ist, Themen, Werte und Botschaften zu transportieren, zu konkretisieren, lebendig zu machen, zu emotionalisieren, zu vereinfachen, damit nachvollziehbarer und erinnerbarer zu machen und Botschaften nachhaltiger zu verankern.

Dieser Text ist ein gekürzter Auszug aus dem Storytelling-Handbuch.

Wenn die thema- und werteorientierte Dimension also nicht eindeutig definiert ist, lassen sich die beiden anderen Dimensionen nicht zielorientiert entwickeln. Die Arbeit mit ihnen wird dann willkürlich, Inhalte und Storys bleiben oberflächlich und bedeutungslos.

Dass die thema- und werteorientierte Dimension im Zentrum steht, heißt nicht, dass die anderen beiden weniger wichtig wären. Ohne sie bleibt Professionelles Storytelling im philosophischen Schwadronieren und der bloßen Definition von Begriffen stecken, ohne konkrete Ergebnisse zu erzielen und ohne die Bedeutung der Themen und Werte für die Menschen und die Gesellschaft zu erfassen.

Thema- und werteorientiertes Denken

  • Welches Thema soll bearbeitet werden?
  • Welcher universelle Wert liegt ihm zugrunde?
  • Welche Fragen sollen beantwortet werden?
  • Welche Botschaften sollen vermittelt werden?
  • Welche Wirkungen sollen damit erzielt werden?

Konfliktbasierte Dimension

Die Funktion der konfliktbasierten Dimension ist, die abstrakte thema- und werteorientierte Dimension anhand eines konkreten Konfliktes darzustellen und zu veranschaulichen.

Als »konfliktbasiert« wird sie bezeichnet, weil sie

  • existenzielle Konflikte bearbeitet, deren Lösung für die Menschen und die Gesellschaft von Bedeutung ist und
  • danach fragt, wie diese Konflikte entstanden sind, wie sie ausgetragen, wie sie aufgelöst werden bzw. werden könnten und was sich durch sie verändert hat.

Ein entscheidendes Kriterium für die Qualität eines Konflikts ist seine Dynamik. Nach seiner Auflösung ist etwas anders als vor seiner Entstehung:

ein Mensch hat seine Persönlichkeit positiv weiterentwickelt und ist glücklicher als zu Beginn oder er hat sich negativ entwickelt und ist unglücklicher; eine Situation hat sich zum Besseren oder zum Schlechteren gewandelt; zwei Menschen haben ihre Beziehung wieder gekittet oder endgültig beendet; die Gesellschaft funktioniert besser oder schlechter usw.

In dieser Veränderung wurzelt die Bedeutung von Inhalten und Storys, ihre Botschaft. Findet keine wie auch immer geartete Veränderung statt, sind sie irrelevant, da sie keine für das Menschensein und die Gesellschaft bedeutsame Aussage treffen.

Die konfliktbasierte Dimension spiegelt somit die Dynamik des Lebens und des Weltenlaufs wider: Konflikte sind der Motor von Veränderungsprozessen. Solange alles gut läuft, verändern wir nichts. Wozu auch, es läuft ja gut. Erst wenn es nicht mehr gut läuft, wenn unsere bisherigen Denk- und Verhaltensweisen nicht mehr funktionieren und ein Konflikt entsteht, tritt eine Veränderung ein bzw. muss sie eintreten, damit der Konflikt gelöst werden kann.

Die konfliktbasierte Dimension bildet diesen Prozess von der Entstehung über die Austragung bis zur Auflösung eines Konfliktes ab.

Konfliktbasiertes Denken

  • Was ist der zentrale Konflikt?
  • Wie ist er entstanden?
  • Wie wird er ausgetragen?
  • Wie wird er aufgelöst bzw. könnte aufgelöst werden?
  • Was verändert sich durch ihn?
  • Wie hat sich eine Person und ihr Leben – ihr Sein, ihre Gefühle und Beziehungen, ihr Denken und ihr Handeln – entwickelt?
  • Wie hat sich eine bestimmte Situation, ein Zustand, die Gesellschaft, die Welt verändert?

 Protagonistenzentrierte Dimension

Die protagonistenzentrierte Dimension konkretisiert die thema- und werteorientierte Dimension noch weiter und emotionalisiert sie, indem sie die Rezipientinnen und Rezipienten am Leben und Schicksal von Menschen teilhaben lässt.

Als »protagonistenzentriert« wird sie bezeichnet, weil sie

  • die am Konflikt beteiligten Personen ins Zentrum stellt,
  • ihre Ziele, Bedürfnisse, Motivationen, Sehnsüchte und Ängste beleuchtet,
  • ihre Beziehungen zueinander und die Dynamik dieser Beziehungen analysiert und
  • ihre Charakterentwicklungen darstellt.

Ohne die Konfliktbeteiligten zu kennen, kann man einen Konflikt nicht verstehen und gestalten.

Protagonistenzentriertes Denken

  • Wer sind die an einem Konflikt beteiligten Personen?
  • Warum geraten sie miteinander in Konflikt?
  • Was sind ihre Ziele und Motivationen?
  • In welchen Beziehungen stehen sie zueinander?
  • Wie verändern sich diese Beziehungen?
  • Wie verändern sie sich selbst?

Relevante Inhalte und Storys

Inhalte und Storys sind entsprechend dieser drei Dimensionen relevant, wenn sie

  • existenzielle Themen bearbeiten
  • universelle Werte (Liebe, Leben, Freiheit, Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Sicherheit, Kontrolle, Selbstbestimmung, Anerkennung, Gesundheit, Identität etc.) und Wertekonflikte (Freiheit versus Sicherheit, Zugehörigkeit versus Selbstbestimmung usw.) thematisieren
  • Ziele und Motivationen, Ängste und Sehnsüchte, Wertesysteme und Überzeugungen, Krisen und Persönlichkeitsentwicklungen von Menschen beleuchten
  • die kausallogische Entwicklung von Konflikten – also ihre Entstehung, ihre Austragung und ihre Auflösung – analysieren
  • etwas darüber aussagen, was es heißt, Mensch und auf der Welt zu sein, und damit die Bedingungen für die Möglichkeit eines glücklichen Lebens und einer funktionierenden Gemeinschaft beschreiben.

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