Neben dem impliziten und dem expliziten Storytelling als formale Kategorien gibt es noch das Angst- und das Sehnsucht-Storytelling als inhaltliche Kategorien, wodurch vier verschiedene Grundkategorien entstehen:

  • implizites Angst-Storytelling
  • explizites Angst-Storytelling
  • implizites Sehnsucht-Storytelling
  • explizites Sehnsucht-Storytelling

Sehnsucht- und Angst-Storytelling

Angst-Storys erzählen von der Bedrohung oder Zerstörung universeller Werte – Liebe, Leben, Freiheit, Sicherheit, Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Gesundheit, Anerkennung usw. – und von der Katastrophe, in der das alles enden wird.

Sie können damit positive und negative Wirkungen erzielen: Sie machen auf einen Konflikt aufmerksam, „rütteln wach“, können ein Problembewusstsein erzeugen und manchmal sogar eine positive Verhaltensänderung.

Sie können aber auch Ängste verstärken, zu Verdrängung, Verleugnung, Verharmlosung, Vermeidung und in den Widerstand führen oder destruktive Lösungen Handlungen hervorrufen.

Populistische Kräfte Arbeiten sehr intensiv mit Angst-Storys, aber auch die Klimaschutzbewegung nutzt sie, um ihre Ziele zu erreichen.

Sehnsucht-Storys erzählen von der Realisierung von Werten und zeichnen das Bild eines besseren Lebens und einer besseren Gesellschaft. Sie geben den Glauben an das Gute zurück, wecken Hoffnung und motivieren zu konstruktiven Handlungen.

Ihre Funktion besteht darin, Lösungen zu thematisieren, Visionen von einem besseren Leben und einer besseren Gesellschaft zu zeichnen und Forderungen nach konstruktiven Veränderungen zu stellen.

„Digitale Medien“: implizites Angst-Storytelling mit destruktiver Wirkung

ab Minute 09:45: Medien-Studie: Folgen der Nutzung von Smartphones


ab Minute 23:53: Studie zum Medienkonsum von Kindern (Die weiterführenden Informationen auf heute.de, auf die in der Sendung hingewiesen wird und die ich im Storytelling-Handbuch auf Seite 168 erwähne, sind leider nicht mehr verfügbar.)

Der Tagesschau– und der heute journal-Beitrag erzählen eine implizite Angst-Story zu dem kognitiven Thema »digitale Medien«, einem Thema also, das die Zukunft unserer Gesellschaft wie kaum ein anderes gestalten wird und entsprechend relevant ist.

Ob es sie positiv oder negativ prägen wird, hängt davon ab, wie wir mit ihm umgehen, welche Storys wir darüber erzählen und welchen wir folgen.

Hier herrscht zwischen Sehnsucht-Storys und Angst-Storys ein Wettstreit über Deutungshoheit und Vorherrschaft. In ihren überspitzen Versionen treten sie auf als Erlösungsfantasie – »Digitale Medien sind unsere Rettung « – und als Katastrophenszenario – »Digitale Medien sind unser Untergang«.

Beide Storys verhindern einen konstruktiven Umgang mit dem Thema, die Katastrophen-Story, weil sie den Blick auf das gesellschaftliche Gestaltungspotenzial verstellt, die Erlösungs-Story, weil sie blind für die Risiken macht.

Indem der Tagesschau- und der heute-journal-Beitrag eine Angst-Story über digitale Medien erzählen, erzielen sie eine destruktive Wirkung. Sie tragen dazu bei, dass viele Menschen eine negative Meinung und eine ängstliche und ablehnende Haltung einnehmen.