Gutes Storytelling besteht aus zwei Elementen: einer guten Story und einer guten Erzählung dieser Story.

Entsprechend lassen sich zwei Kategorien von dramaturgischen Werkzeugen unterscheiden: Entwicklungswerkzeuge, um eine gute Story zu entwickeln (siehe Kapitel 1 bis 4 des Storytelling-Handbuchs), und Erzählwerkzeuge, um eine gute Story gut zu erzählen. Die Erzählwerkzeuge lassen sich ebenfalls in zwei Kategorien unterscheiden:

  • Erzählmuster: Welchen Mustern folgt die Erzählung einer Geschichte?
  • Erzähltechniken: Welche Informationen werden den Rezipientinnen und Rezipienten wann, wie und warum (d.h. mit welcher beabsichtigten Wirkung) vermittelt?

Geschichte und Erzählung

Die Unterscheidung zwischen „Geschichte“ und „Erzählung“ ist in der fiktionalen Dramaturgie grundlegend. „Geschichte“ meint dabei das WAS erzählt wird, den Inhalt. „Erzählung“ meint das WIE dieses Was erzählt wird, die Form. Beides ist wichtig. Die Geschichte ist jedoch wichtiger. Denn wenn sie schlecht ist, kann man sie noch so gut erzählen – man erzählt eine schlechte Geschichte. Sie wird nicht besser, nur weil man sie gut erzählt. Was in der Geschichte nicht funktioniert – widersprüchlich, unlogisch, unplausibel etc. ist –, funktioniert auch in der Erzählung nicht: Es bleibt widersprüchlich, unlogisch, unplausibel.

Geschichte = Inhalt: WAS soll erzählt werden? – Entwicklung

Erzählung = Form: WIE soll dieses Was erzählt werden? – Gestaltung

Anders herum gilt allerdings auch: Eine schlechte Erzählung kann die beste Geschichte zerstören. Aber auch wenn man eine gute Geschichte schlecht erzählt, erzählt man immer noch eine gute Geschichte, deren Bedeutung und Botschaft die beabsichtigte Wirkung entfalten kann – sofern die Rezipientinnen und Rezipienten aufgrund der schlechten Erzählung nicht irgendwann gelangweilt oder genervt aussteigen. Wäre diese Geschichte auch noch gut erzählt, würde sich ihre Wirkung noch besser entfalten. Schlechte Storys entfalten hingegen keine oder keine gute Wirkung. Eine schlecht erzählte gute Story ist also immer noch besser als eine gut erzählte schlechte Story.

Professionelles Storytelling als Methode zur Entwicklung von Inhalten

Deshalb legt Professionelles Storytelling und das Storytelling-Handbuch den Fokus auf die Story, genauer: auf die Entwicklung der Inhalte, die als Story erzählt werden können, aber nicht müssen. Professionelles Storytelling ist nicht nur eine Methode zur Gestaltung von Inhalten in Form einer Story, sondern auch eine Methode zur Entwicklung von Inhalten jeglicher Art, die in verschiedenen Formen gestaltet werden können: als Reportage, Dokumentation, Porträt, Präsentation, Whitepaper, Parteiprogramm usw. – oder eben als Story.
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